"Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral"
Parzival und Gurnemanz
(c) BHF/Johannes Schremps
Was ist der Gral?
Bad Hersfeld, 04.07.2026 |
In Bad Hersfeld fand das Stück „Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral“ als wuchtige Eröffnungspremiere zum 75. Jubiläum der Festspiele statt. Dabei hat man die klassische Verserzählung in eine modernere, zeitgenössische Form gebracht und zeigt dem Publikum den Weg des Titelhelden vom unwissenden, naiven Jungen im Wald über blutige Ritterkämpfe bis hin zur Gralsburg. Unter dem Motto „Werde, was Du bist!“ setzt Regisseur Michael Schachermaier damit ein starkes Zeichen für die Menschlichkeit. Die Inszenierung lebt von der dynamischen Kulisse, die auf der Bühne der monumentalen Stiftsruine laufend verändert wird. |
Parzival
(c) BHF/Johannes Schremps
Was ist der Gral heute?
Diese Frage stellen sich die Zuschauer, der Regisseur und unsere heutigen Philosophen. Die Handlung folgt dem naiven Jungen Parzival, der von seiner Mutter fernab der Welt, unwissend in den Wäldern großgezogen wird, um ihn vor dem Tod im Kampf zu bewahren. Nachdem er andere Menschen trifft, zieht es ihn unwiderstehlich zu den Rittern. Natürlich rächt sich sein wohlbehütetes Aufwachsen ohne Kontakte zur Außenwelt und er macht auf seiner Reise Fehler, wenn er vermeintlichen Regeln blinden Gehorsam wahrt und dadurch Schuld auf sich lädt. Er tötet den Roten Ritter, wird am Hof von König Artus aufgenommen und vom weisen Ritter Gurnemanz ausgebildet. Doch bei seinem ersten Besuch der Gralsburg versagt er kläglich durch falsche Zurückhaltung bei der erhofften Erlösung des leidenden Gralskönig Amphortas. Das stumpfe Gehorsam den Regeln gegenüber verhindert die entscheidende, erlösende Frage des Mitgefühls, was dann als Fluch auf ihm liegt und ihn jahrelang ziellos umherirren lässt.
Kundry und Amfortas
(c) BHF/Johannes Schremps
Die Bad Hersfelder Inszenierung
Was ist das Besondere bei der Bad Hersfelder Deutung des Grals? Hier ist es kein mystischer Kelch und kein sakrales Objekt (von dem - wieder bei Wagner - Parzivals Sohn Lohengrin in seiner Gralserzählung singt). In Bad Hersfeld erhöhnt man ihn zur bedingungslosen Empathier und Humanität. Erst als Parzival am Ende des Stücks nackt, verzweifelt und dann in Lumpen gehüllt alle ritterlichen Konventionen ablegt, findet er zur wahren Nächstenliebe und übernimmt Verantwortung. |
Souverän taumelt er anfangs förmlich durch die Abenteuer, man sieht ihm seine emotionale Zerrissenheit und physische Erschöpfung an, wenn er den Helden mit körperlicher Präsenz darstellt. Als Lehrmeister beeindruckt Markus Gertken als Gurnemanz, der ihm Ritterkunde und Weltwissen vermittelt. Begleitet wird Parzival von einem starken Ensemble, dessen Mitglieder sich oft in mehreren Rollen bewähren müssen, wenn sie die Artus-Ritter und die Gralsgesellschaft verkörpern. Sehr überzeugend auch die starken Frauenfiguren – Varia Sjöström als Parzivals beschützende Mutter Herzeloyde und Melita Jurisic als mystisch-energische Gralsbotin Kundry – die – wie im wirklichen Leben - die Handlung maßgeblich vorantreiben und den Titelhelden stets zur Reflexion zwingen. |
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