Cuxland, 11. Mai 2026 - Nordseekrabben, an der Küste oft liebevoll „Granat“ genannt, sind das kulinarische Aushängeschild des Cuxlandes. Während ein Großteil der Nordseefänge heute weite Reisen nach Marokko zum Schälen antritt, steht der Name Alwin Kocken in Spieka-Neufeld für regionale Frische und norddeutsche Erfindergeist.
Der „Panzerknacker“ von Spieka-Neufeld
Der ehemalige Krabbenfischer Alwin Kocken wollte sich nicht damit abfinden, dass das mühsame Handpulen die lokale Verarbeitung ausbremste. Zwischen 1972 und 1986 entwickelte er deshalb eine revolutionäre Krabbenschälmaschine, die heute das Herzstück seines Familienbetriebs ist.
Die Maschine fixiert die Krabben mittels Vakuum und bläst das zarte Fleisch per Druckluft aus dem Panzer. Der Vorteil ist die direkte Verarbeitung vor Ort, die den unverfälschten Geschmack erhält, ohne dass Konservierungsstoffe für lange Transportwege nötig wären.
So gibt’s Genuss direkt vom Kutter. Inzwischen schon in dritter Generation führt die Familie das Geschäft fort und behält, teils mit Hilfe der Maschine, teils mit Hilfe fleißiger Krabbenpuler)nnen die Tradition fort. So wird im Ladengeschäft der Kocken’s in Spieka-Neufeld der Genuss unmittelbar erlebbar
Die Krabben kommen oft direkt vom Kutter in den Verkauf – ungepult zum Selberschälen, maschinell frisch entschält oder handgepult. Die Spezialitäten sind neben den bekannten gut belegten klassischen Krabbenbrötchen die hausgemachten Krabbenfrikadellen, über 15 verschiedene Garnelensalate und der Räucherfisch. Die Besucher können – wenn sie zur richtigen Zeit kommen - durch Fenster die Schälmaschine „bei der Arbeit“ beobachten und so den Weg vom Meer auf den Teller nachvollziehen. Für Feinschmecker im Cuxland bleibt ein Besuch bei Kocken die authentischste Art, das „Gold der Nordsee“ zu probieren – ehrlich, regional und mit einer Prise technischer Faszination. |
Apropo Krabbenpulen. Wir verraten Ihnen gerne, wie es richtig geht. Das Geheimnis liegt in der „Bruchstelle“. Fangfrische Krabben lassen sich am besten leicht angewärmt verarbeiten, da der Panzer dann flexibler ist. Dabei hält man den Kopf der Krabbe sanft zwischen Daumen und Zeigefinger der einen Hand fest, greift dann mit der anderen Hand das hintere Drittel des Körpers und knickt und dreht gleichzeitig den Panzer vorsichtig in der Mitte – oder wie die Kockens sagen „in der Hüfte“ - bis du ein leichtes Knacken spürbar ist- Dann zieht man zuerst den hinteren Teil des Panzers mitsamt dem Schwänzchen vorsichtig ab, hält das freigelegte Fleisch zärtlich fest und zieht es behutsam aus dem vorderen Kopfteil heraus. Übrigens sollten Sie die Schalen nicht wegwerfen, denn daraus lässt sich ein wunderbarer Fond für eine traditionelle Krabbensuppe kochen.
Wenn Sie ausreichend Krabben ausgepult haben, können Sie sich direkt ans „Halligbrot“ machen, wie man das Cuxländer Krabbenbrot liebevoll nennt. Für ein Mahl zu zweit brauchen Sie nur vier Scheiben kräftiges Schwarzbrot oder Roggenvollkornbrot, 200 g der frisch gepulten Nordseekrabben, leicht gesalzene Butter, zwei bis vier frische Bio-Eier, frischen Dill oder Schnittlauch, Salz und Pfeffer.
Die Brotscheiben werden großzügig gebuttert und berghoch mit den frisch gepulten Krabben belegt. Dann braten Sie die Eier zu Spiegeleiern, am besten mit noch leicht flüssigem Eiweiß und würzen und garnieren es mit einer Prise Salz, Pfeffer und den frisch gehackten Kräutern. Dazu passt optimal ein frisch gezapftes herbes norddeutsches Bier – für Autofahrer auch gern alkoholfrei.
(c) Michael Ritter |