Ratschläge für Musik & Oper

Vivaldis Arien zu Gast bei Händel

Nicolas McGegan und Arianna Vemdittelli

(c) Alciro Theodoro da Silva

Man ist es ja von den Engländern irgendwie gewohnt, dass sie, wenn ihr Geburtstag in die 1991 kalte Jahreszeit fällt, diesen lieber dann zu feiern, wenn draußen bereits die Blumen blühen. Das war bei der Queen nichts anderes als bei Nicholas McGegan, der sein Ständchen zum 75. Geburtstag nicht zu seinem eigentlichen Festtag im Januar spielte, sondern zusammen kit einem von ihm hochkarätig besetzten Kammermusikensemble und der faszinierenden Sopranistin Arianna Vendittelli anlässlich der Händel-Festspiele Göttingen im Mai. Im Gepäck hatte er dabei Musik von Vivaldi, Telemann, Britten und – wie könnte es anders sein - Händel.

Arianna Vendittelli

(c) Alciro Theodoro da Silva

Beim Stiftungskonzert sorgte Göttingens früherer Künstlerischer Leiter für einen rundum gelungen Abend. Der ausgewiesene Experte für die Musik des 18. Jahrhunderts hatte 1991 als Nachfolger von Sir John Eliot Gardiner die Internationalen Händel-Festspiele übernommen. Sein damaliger Intendant Benedikt Poensgen sprach die Laudatio und erinnerte an die beim Publikum oft noch unvergessenen Inszenierungen, wie Händels Oper „Agrippina“, die damals seine Zeit in Göttingen eröffnete und dieses Jahr die Festspiele der Kollegen in Halle eröffnet. Sein Ziel war damals Göttingen noch stärker als Festspielstadt zu etablieren und Stadt und Festspiele miteinander zu verbinden.

Die mit knapp 400 Besuchern gut gefüllte Alte Aula der Universität bot einen geeigneten Rahmen für das Konzert, bei dem McGegan am Cembalo zusammen mit dem hervorragenden Ensemble die Zeit des Barocks mit ihrer Musik wieder aufleben ließ. Dabei hatte McGegan ein sehr abwechslungsreiches Programm aus Sonaten und Arien zusammengestellt. Einen Schwerpunk lieferte allerdings die Arien aus den Opern Antonio Vivaldi. Nicht nur McGegan liebt dessen Opern und schon früher hatte er in Italien mit der Sopranistin Arianna Vendittelli, einer erwiesenen Expertin für die Musik des großen Venezianers aufgeführt. Die Musik zeigte überdeutlich, warum Vivaldis Opern in Italien der Barockzeit zu unglaublich beliebt waren. Auch beim Stiftungskonzert standen Arien aus vier Opern Vivaldis im Mittelpunkt, ergänzt durch zwei Arien Händels aus Serse, und Ariodante.

Das Publikum war fasziniert von der sehr gefühlvoll singenden Arianna Vendittelli, die mit glasklarem Timbre und gekonnten Koloraturen sowohl die Höhen wie die Tiefen auslotete. Mit Eleganz, Anmut und der italienischen Sprezzatura meisterte sie, das Ensemble und der langjährige Barockprofi am Cembalo auch die schwierigsten Partien des Abends. Den Namen Arianna Vendittelli werden sich viele Musikfreunde in ihr Notizbuch schreiben und Konzerte und Festivals mit ihr verfolgen, da ihre Grandezza und ihr sympathischer Charme sie begeisterte. Kein Wunder, dass die Festspiele sie mit „die Stimme Ariana Vendittelli erfüllt die Luft wie der Duft von Rosen“ für ihre „funkenden Töne und lebhaften Koloraturen“ lobt.

Nicholas McGegan konnte am Cembalo die Begeisterung des Publikums für diesen gelungenen Abend genießen. Er selbst brauchte kaum zu dirigieren denn mit den Musikern Julia Kuhn und Gabriella Jones an der Violine, Ildiko Ludwig an der Viola, Julien Barre am Violoncello und Alex McCartney an der an der Theorbe hatte er erfahrene Barockmusiker an seiner Seite, die die Sopranistin klangschön und klangvoll begleiteten. Was könnte schöner seine als ein Konzert mit Freunden für Freunde, betonte Nicholas McGegan zum Abschluss des Konzerts. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nicolas McGegan

(c) Alciro Theodoro da Silva

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