Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

UNESCO-Weltkulturerbe Goslar

Goslaer Kaiserpfalz

(c) Michawel Ritter

Goslar - Bergbaustadt im kaiserlichen Glanz

Goslar, August 2025

Man merkt bei einem Besuch der alten
Kaiserstadt Goslar schnell, dass sie zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland zählt. Der Harz, einige andere attraktive Städte wie Wernigerrode, Quedlinburg, Hildesheim und Braunschweig und Attraktionen wie der Brocken in der näheren Umgebung, machen die Stadt mit ihren knapp 50.000 Einwohnern zu einem spannenden Ziel für Natur- und Kulturtouristen.

Im Jahr 979 wurde der Bergbauort erstmals erwähnt und nur wenige Jahrzehnte später hielt der Ottonen-Kaiser Heinrich II. hier seine erste Reichssynode ab und machte Goslar mit der Kaiserpfalz, dem größten und besterhaltenen Profanbau des 11. Jahrhunderts, zu einem der wichtigsten Orte des Heiligen Deutschen Reichs. 23 Reichstage fanden hier statt. Die Salier unter Heinrich III. und dann die Staufer führten dies fort. So konnte sich der Ort bis zum 13. Jahrhundert kontinuierlich zur Stadt weiterentwickeln, erlangte 1290 die Reichsunmittelbarkeit und behielt diese über 500 Jahre. Chronisten sprachen von der Stadt mit ihren 1.500 Fachwerkhäusern vom "nordischen Rom". Grund genug für die UNESCO, sie 1992 in die 20 Jahre zuvor zum Schutz des Kulturerbes der Welt beschlossene Welterbe Konvention aufzunehmen.

Altstadt von Goslar

(c) Michael Ritter

Erzbergwerk Rammelsberg

Bergwerk Rammelsberg.jpg
Von Gavailer - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Der Rammelsberg und der Erzbergbau

Doch nicht nur die Altstadt Goslars landete auf der Liste, sondern auch das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg, an dessen Abhang die Kaiserpfalz errichtet wurde. Es war weltweit das erste Mal, dass die UNESCO den begehrten Titel einer ganzen Kulturlandschaft verlieh und erstmals in Deutschland für ein industrielles Baudenkmal. Man nahm es in der Liste auf, da der Rammelsberg als einzigartiges Dokument industrieller Kultur gesehen wurde.

Die jeweiligen Herrscherhäuser hatten ein natürliches Interesse an der Stadt wegen der Blei-, Zink- und Kupfererzgruben des Rammelsbergs. Davon sind sowohl unter als auch über Tage technische Denkmäler vorhanden, die zum Teil mehr als 800 Jahre alt sind. Der Rathstiefster Stollen ist ein um 1150 aufgefahrener, 1000 m langer Wasserlösungsstollen, im um 1250 entstandenen Feuergezäher Gewölbe haben wir den ältesten ausgemauerten Grubenraum Europas und der gut 500 Jahre alte Maltermeisterturm ist das älteste erhaltene Tagesgebäude des deutschen Bergbaus, um die Gruben zu überwachen und lädt heute mit seiner Gastronomie Wanderfreunde mit einem herrlichen Blick über die Dächer der Stadt.

Die Halden rings um den Rammelsberg sind mit ihrer kargen Vegetation bis heute gut erkennbar und gehören zu den ältesten Denkmalen des deutschen Bergbaus. Im Frankenberger Viertel Goslars sind in der Beekstrasse noch etliche der damals gebauten Bergarbeiterhäuser erhalten geblieben. Durch die Nähe zum Harz und dessen Schiefervorkommen ist die Altstadt zum Teil in Grau getaucht mit dekorativen Schieferfassaden, die zusammen mit den Schnitzereien und bunten Fachwerkhäusern ein abwechslungsreiches Stadtbild schaffen.

Oderteich

Luftbild des Oderteiches von Süden; über den Staudamm (vorne) verläuft die Bundesstraße 242
Von JuTe CLZ - JuTe CLZ, Gemeinfrei, Link

Die Oberharzer Wasserwirtschaft

2010 erweiterte die UNESCO den Welterbestatus um das System der Oberharzer Wasserwirtschaft. Diese war vom Mittel- bis ins Industriezeitalter der einzige Energielieferant für den Oberharzer Bergbau und ein Meisterwerk früher Bergbau- und Ingenieurskunst. Mit seiner Installation vor 800 Jahren gehörte die Oberharzer Wasserwirtschaft zu den größten Energiesystemen der vorindustriellen Zeit. Das Wasser trieb Pumpen zur Entwässerung der Bergwerke an, half Erze zu verhütten und Material zu transportieren.

Der Bau dauerte Jahrhunderte und ließ ein einzigartiges Wasserleitsystem aus kilometerlangen Gräben, künstlichen Teichen und unterirdischen Wasserwegen entstehen, das maßgeblich für die technischen Innovationen des Bergbaus in ganz Europa war. Die Entwässerungstechnik war notwendig geworden, da am Rammelsberg sonst nur noch reiner Nachleseabbau betrieben werden konnte. Goslar war Mitte des 13. Jahrhunderts Mitglied der Hanse geworden, um auch vom Fernhandel zu profitieren. Wichtig war für Goslar vor allem der Kupfer- und Silberhandel, später neben dem speziellen Gose-Bier auch der Schieferabbau und die Vitriol Herstellung. Schon im 14. Jahrhundert hatten in der Stadt alle Häuser durch ein Holzröhrensystem fließendes Wasser für ihre Küchen.

Nachdem der frühe Bergbau um 1350 durch die Pest kriselte und die Förderung stockte, da man das Eindringen des Wassers in die Gruben nicht mehr kontrollieren konnte, nahm man ihn im 16. Jahrhundert wieder auf, um den Bedarf an Silber für die Münzprägung zu decken.

Mit neuen Techniken konnten die Bergleute in größere Tiefen vordringen und das Grubenwasser nicht nur ableiten, sondern in Energie verwandeln. So blühte der Harzer Bergbau erneut auf. Es ist ein verzweigtes Netz von Wasserlösungsstollen, Gräben und künstlich angelegten Teichen. Besondere technische Leistungen sind etwa der Sperberhaier Damm, ein Aquädukt mit seinem Dammgrabensystem in dessen Dammhaus für den Grabenwächter man heute zu Harzer Spezialitäten einkehren kann. oder der Oderteich, die älteste von den Bergleuten errichtete Talsperre, die bis zum Endfe des 19. Jahrhunderts die größte Talsperre Deutschlands war. Rund um den dadurch gebildeten Oderteich darf sich der Wald ganz nach seinen eigenen Gesetzen wandeln, darf zur Wildnis, zum Urwald werden, mit allen Facetten. Abgestorbenes Holz macht Platz für junges, frisches Grün, das sich artenreich mit unterschiedlichen Strukturen entwickeln kann. Um Bodenerosion zu vermeiden und einen ausreichenden Wasserspiegel abzusichern, wurde der Wald schon kurz nach Fertigstellung des Oderteichs zum Bannwald, in dem Abholzung untersagt wurde. So stehen an dem Ufer einige der ältesten Fichten des Harzes. Auf dem 4 Kilometer langen Rundweg bekommt man einen guten Eindruck. Ein guter Stop auf der seit 2021 existierenden 73 km langen Welterbe-Route, die alle Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet.

(c) Michael Ritter

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