Kunstkreuzfahrt auf Mein Schiff 4 durchs Baltikum
Mein Schiff im Hafen
(c) Michael Ritter
Eine Reise durch Geschichte, Kultur und Traditione
Die Ostsee, einst Mare Balticum der Römer, verbindet seit Jahrhunderten Völker, Kulturen und Handelswege. Eine Kreuzfahrt von Kiel durch die baltischen Hauptstädte nach Stockholm und zurück ist weit mehr als nur eine maritime Reise – sie ist eine Zeitreise durch Epochen, eine Entdeckungstour durch architektonische Meisterwerke und eine Begegnung mit lebendigen Traditionen, die bis heute die Identität dieser Region prägen.
Kiel
Kiel - Tor zur Ostsee
Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel ist der ideale Ausgangspunkt für diese außergewöhnliche Reise. Als einer der wichtigsten deutschen Kreuzfahrthäfen empfängt die Stadt ihre Gäste mit maritimem Flair. Die Kieler Förde, Schauplatz der jährlichen Kieler Woche, erstreckt sich majestätisch vor den Passagieren, während das Schiff langsam zum Klang der Auslaufmelodie „Große Freiheit“ aus dem Hafen gleitet. Es ist ein spezielles Arrangement von Unheilig feat. James Last die beim Ablegen des Schiffes gespielt wird, sobald die Leinen gelöst sind und das Typhon dreimal ertönt ist. Wegen der hohen Beliebtheit der Unheilig-Hymne blieben Versuche sie auszutauschen erfolglos. Bei der Fahrt gen Norden schweift der Blick über das Marine-Ehrenmal in Laboe, bevor Mein Schiff 4 Kurs auf das Baltikum nimmt.
Ankunft in Klaipeda
(c) Michael Ritter
Mein Schiff 4 als Vorzeigeprojekt maritimer Kunst
In einer Zeit, in der Kreuzfahrten längst mehr sind als nur Transport von A nach B, hat sich die Kunst auf modernen Kreuzfahrtschiffen zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal gemausert. Besonders TUI Cruises hat sich für ihre Mein Schiff-Flotte dem Anspruch verschrieben, den Gästen nicht nur maritime Erlebnisse, sondern auch kulturelle Bereicherung zu bieten. An der Spitze dieser Entwicklung steht die Mein Schiff 4, die 2015 in Dienst gestellt wurde und mit als schwimmendes Museum konzipiert ist. Wybcke Meier, seit Jahren CEO der Hamburger Reederei, sagt dazu: „Kunst ist vielfältig und individuell zugleich. So wie unser Produkt. Wir möchten unseren Gästen die Möglichkeit bieten, Kunst in einer angenehmen Urlaubsatmosphäre ganz in Ruhe und ohne jeglichen Zwang zu erleben.“ |
Das komfortable Kreuzfahrtschiff beherbergt eine beeindruckende Kunstsammlung von über 6.000 Werken, die sich über alle öffentlichen und privaten Bereiche des Schiffes erstreckt. Inspiriert vom TUI-Blau in all seinen Schattierungen findet man ein breites Angebot: von großformatigen Gemälden in den Treppenhäusern über skulpturale Installationen in den Restaurants bis hin zu fotografischen Serien in den Kabinengängen – Kunst ist allgegenwärtig und integraler Bestandteil des Schiffsdesigns. Dabei wurde die Sammlung nicht beliebig zusammengestellt, sondern folgt einem durchdachten Konzept, das Unterhaltung, Bildung und Ästhetik miteinander verbindet. |
Das Ännchen von Tharau
(c) Michael Ritter
Klaipeda - Zu Gast im Bernsteinland
Doch erst einmal zurück zu unserer Kreuzfahrt. Spätestens nach dem Ablegen in Kiel erkunden viele der knapp 2.500 Gäste das kulinarische Angebot an Bord. Feste Essenzeiten gibt es nicht mehr, ebenso wenig eine feste Sitzordnung. Während Mein Schiff-Neulinge gerne experimentieren, haben Stammgäste meist ihre Vorlieben entdeckt, besuchen gezielt das Büffet-Restaurant, das eine breite Palette von Speisen auch mit vegetarischen und veganen Gerichten anbietet oder eines der À-la-carte-Restaurants, wo man auch ohne Reservierung meist schnell einen Platz bekommt. Das ist ideal für Singles und Paare, die so im Verlauf der Kreuzfahrt neue Menschen kennenlernen können. Gerne treffen sich dort auch Freundeskreise von Stammkunden, die sich für einen gemeinsamen Urlaub verabredet haben. |
Einst hieß die Stadt unter deutscher Herrschaft Memel, wie der Fluß, der dort am Memeler Tief den Abfluß der größtenteils zu Russland gehörenden Kurischen Nehrung bildet. Noch heute trägt der Ort die Spuren seiner wechselvollen Geschichte. Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und den charakteristischen gepflasterten Straßen lädt zum Flanieren ein. Auf dem Platz vor dem Theater steht der Simon-Dach-Brunnen, vor mehr als 100 Jahren in Erinnerung an den von dort stammenden Dichter geschaffen. Nicht Dach ziert den Brunnen sondern das Ännchen von Tharau, sein wohl als Volkslied bekanntestes Werk. von Simon Dach, das Volkslied Ännchen von Tharau. |
Kurische Nehrung
Naturparadies Kurische Nehrung
Die Kurische Nehrung ist eine der bemerkenswertesten Landschaftsformationen Europas. Die schmale, fast hundert Kilometer lange Landzunge trennt das Kurische Haff von der Ostsee und ist seit dem Jahr 2000 UNESCO-Welterbe. Die höchsten Wanderdünen Europas formen hier eine Landschaft von surrealer Schönheit – goldene Sandberge, die bis zu sechzig Meter in den Himmel ragen und von Wind und Wetter ständig neu geformt werden. |
Die Kurische Nehrung war stets ein Ort der Inspiration. Der Nobelpreisträger Thomas Mann verbrachte hier seine Sommer in einem Holzhaus in Nida, das heute als Museum besichtigt werden kann. Die besondere Lichtstimmung, die Einsamkeit der Landschaft und die raue Schönheit der Natur zogen Künstler wie Max Pechstein und Kark Schmidt-Rotluss und Schriftsteller wie Carl Zuckmayer magisch an. In den kleinen Fischerdörfern, wo noch traditionell geräuchert wird, lässt sich erahnen, wie das Leben hier vor hundert Jahren aussah. |
Pinguin am Ausguck
(c) Michael Ritter
Die Kuratoren aus Oslo: Kunstexpertise vom Fjord
Doch zurück zur Kunst an Bord der Mein Schiff 4. Für deren Zusammenstellung hat sich TUI Cruises die norwegische Firma International Corporate Art (ICArt) aus Oslo ins Boot geholt, was nicht despektierlich zu verstehen. . Das Unternehmen hat sich als Spezialist für maritime Kunstberatung einen Namen gemacht und arbeitet seit Jahren mit verschiedenen Reedereien zusammen, um deren Schiffe in schwimmende Kunstgalerien zu verwandeln. Damit unterscheidet es sich wesentlich von anderen Cruise Lines, vor allem aus den USA, bei denen auch bei der Kunst dem Profit oberste Priorität eingeräumt wird. |
Für die Mein Schiff 4 entwickelte das Team ein Konzept, das verschiedene künstlerische Medien vereint – von Malerei und Skulpturen über Installationen, Fotografie und Videos bis hin zu Graffitis und Posterdrucken. |
Riga von oben
(c) Michael Ritter
Riga - Perle des Baltikums
Von Klaipeda aus fährt Mein Schiff weiter entlang der baltischen Küste nach Norden. Am nächsten Morgen empfängt uns die lettische Hauptstadt Riga an einem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Terminal, das einen Shuttle erforderlich macht, der sich loht, denn die Stadt empfängt ihre Besucher mit einer einzigartigen Mischung aus mittelalterlichem Charme und architektonischer Avantgarde. Die Altstadt, ebenfalls UNESCO-Welterbe, bezaubert mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, gotischen Kirchen und Handelshäusern. In der Hauptstadt spürt man stark, dass Riga einst ein wichtiges Zentrum des Baltikums in der Sowjetunion war, denn noch immer leben dort mehr als 40 % Russen.
Die Animositäten der Balten gegenüber Russen und Russland sind tief verwurzelt. Während der durch den Hitler-Stalin-Pakt besiegelten sowjetischen Besatzung sorgten Deportationen, Russifizierung und dem Verlust der Unabhängigkeit für den Widerstand. Heute ist es Putins revisionistische Politik und das Gefühl der Bedrohung durch militärische Aggression wie in der Ukraine, die zu Feindseligkeiten führen. Was ist, wenn die eigene russischsprachige Minderheit von Moskau instrumentalisiert wird? So sucht man das Heil in der verstärkten NATO-Integration und der bewussten Abkehr von Russland, obwohl eine Integration der Minderheiten ein wichtiger Faktor für Stabilität wäre. Eine Entwicklung, die man schon in der Ukraine beobachten konnte. Vor einigen Jahren stimmten die Letten mehrheitlich gegen eine Einführung des Russischen als zweite Amtssprache – wahrscheinlich mit vielen Stimmen der dort lebenden Russen. Doch Rigas wahre Besonderheit liegt jenseits der mittelalterlichen Stadtmauern.
Rigaer Börse - heute ein Museum
(c) Michael Ritter
Jugendstil-Metropole - Architektonische Zeitreise
Riga beherbergt die höchste Konzentration an Jugendstilarchitektur weltweit. Mehr als achthundert Gebäude im Art-Nouveau-Stil prägen das Stadtbild, besonders außerhalb der Altstadt. Die Alberta iela gilt als die Prachtallee des Jugendstils schlechthin, wo sich ein architektonisches Meisterwerk an das nächste reiht. |
Originalgetreu restauriert zeigt sie das Leben der wohlhabenden Rigaer Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jedes Detail – von den geschwungenen Türgriffen über die kunstvollen Parkettböden bis zu den farbigen Glasfenstern – atmet den Geist einer Ära, die Schönheit und Funktionalität zu vereinen suchte. |
Baltische Chortradition
(c) Michael Ritter
Die singende Revolution der Balten
In den baltischen Staaten ist Singen mehr als nur Kunst – es ist Ausdruck nationaler Identität und politisches Statement. Die Tradition der Sängerfeste reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die ersten nationalen Erweckungsbewegungen entstanden. In Lettland fand das erste allgemeine Sängerfest 1873 in Riga statt, und seither wird diese Tradition alle fünf Jahre fortgeführt und wer einmal die Möglichkeit hat es zu erleben, sollte diese Chance nutzen. |
Diese Lieder erzählen von der Natur, der Arbeit auf dem Lande, von Liebe und Verlust, aber auch von der Sehnsucht nach Freiheit. |
Mark Mosers Sea Pink
(c) Michael Ritter
Künstlerische Highlights an Bord
Zu den besonderen Highlights der Kunstsammlung gehören mehrere Werke, die sich durch ihre Präsenz und Originalität auszeichnen. Auf unterschiedlichen Decks finden sich die charakteristischen Holzfiguren von Jonas Kötz, einem Kinderbuchautor, Illustrator und Bildhauer. Seine Skulpturen mit den dicken Bäuchen und den ausdrucksstarken Augen sind unverkennbar und vermitteln eine spielerische, zugängliche Ästhetik. |
Diese vertikale Installation nutzt die architektonische Besonderheit des Treppenhauses optimal aus und schafft eine dynamische, fast filmähnlich Erfahrung, wenn Passagiere die Treppen hinauf- oder hinabsteigen. |
Domberg von Tallin
(c) Michael Ritter
Tallinn - Mittelalterliches Juwel
Am nächsten Morgen biegen wir nach Osten in den relativ flachen Finnischen Meerbusen ein und erreichen dort die estnische Hauptstadt Tallinn, das einstige Reval. Der heutige Name stammt von den einstigen Eroberern aus Dänemark her und kann als Dänische Burg interpretiert werden. Einst konnte man direkt am Kai mit einem Gasballon 120 Meter vom Stahlseil gesichert in die Höhe steigen und hatte so einen einzigartigen Ausblick über den Hafen und auf die Altstadt. Leider wurde dieses Highlight bald eingestellt.
Die Halbmillionenstadt präsentiert sich als perfekt erhaltenes mittelalterliches Gesamtkunstwerk. Die hübsche Altstadt mit ihren Wehrtürmen, Kirchen und Kaufmannshäusern scheint die Zeit überdauert zu haben. Doch hinter den historischen Mauern pulsiert eine moderne, innovative Stadt, die besonders durch ihre Gastronomie von sich reden macht.
Fischauswahl auf dem Markt in Riga
(c) Michael Ritter
Estnische Küche - Tradition und Innovation
Die estnische Gastronomie erlebt seit der Unabhängigkeit eine bemerkenswerte Renaissance. Was einst als einfache, bodenständige Bauernküche galt, hat sich zu einer raffinierten kulinarischen Bewegung entwickelt, die lokale Zutaten, traditionelle Rezepte und moderne Kochtechniken verbindet. |
Die estnische Variante des Sauerkrauts, oft mit Wacholderbeeren gewürzt, begleitet viele Gerichte. |
Baltische Chortradition
(c) Michael Ritter
Estnische Gesangskultur
Auch Estland pflegt die Tradition der Sängerfeste intensiv. Beim estnischen Sängerfest, das alle fünf Jahre auf dem Sängerfeld in Tallinn stattfindet, versammeln sich bis zu 30.000 Sänger und 100.000 Zuschauer. Die Konzerte, bei denen Zehntausende synchron singen, sind von überwältigender emotionaler Kraft.
Ein besonderer Moment der estnischen Geschichte ist untrennbar mit einem Lied verbunden: "Mu isamaa on minu arm" (Mein Vaterland ist meine Liebe). Es wurde 1988 zum Symbol der Unabhängigkeitsbewegung. Hunderttausende stimmten dieses Lied auf dem Sängerfeld an und schnell war klar, dass keine Macht der Welt den Freiheitswillen der Esten brechen konnte.
Holzfigur von Jonas Kötz
(c) Michael Ritter
Die Herausforderungen maritimer Kunstkuration
Die Zusammenstellung einer Kunstsammlung für ein Kreuzfahrtschiff stellt Kuratoren vor besondere Herausforderungen, die Helene Haaland Mustad und ihr Team bei ICArt meistern mussten. Die salzhaltige Luft, Vibrationen, Temperaturschwankungen und die ständige Bewegung des Schiffes erfordern spezielle konservatorische Maßnahmen und eine sorgfältige Auswahl der Materialien. |
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Berücksichtigung der unterschiedlichen Lichtverhältnisse auf einem Schiff. Während einige Bereiche von natürlichem Licht durchflutet werden, liegen andere in permanenter künstlicher Beleuchtung. ICArt entwickelte für jeden Bereich spezifische Beleuchtungskonzepte, die die Kunstwerke optimal zur Geltung bringen, ohne sie durch zu intensive Bestrahlung zu schädigen. |
Kunst an Bord
(c) Michael Ritter
Kunst als Erlebnis: Interaktiv und digital
Zurück an Bord fällt ein innovativer Aspekt der Kunstintegration ins Auge. TUI Cruises hat erkannt, dass die bloße Präsenz von Kunst nicht ausreicht – die Gäste sollten auch die Möglichkeit haben, mehr über die Werke und Künstler zu erfahren. Aus diesem Grund wurde ein innovativer, mobiler Kunst-Guide entwickelt, der über die Mein Schiff WebApp zugänglich ist.
"Wir wollen unsere Gäste dazu animieren, unser 'Kunstschiff' auf eigene Faust zu erkunden", erklärte Wybcke Meier. Die App funktioniert auch im Offline-Modus und ermöglicht es den Gästen, einen individuellen Kunstrundgang über das Schiff zu machen. Zu ausgewählten Werken erhalten sie Hintergrundinformationen über die Künstler, die Entstehungsgeschichte und kunsthistorische Kontexte.
Dieser Ansatz macht die Kunstsammlung zu einer bildenden Erfahrung und spricht besonders Gäste an, die sich intensiver mit den Werken auseinandersetzen möchten. Gleichzeitig bleibt die Kunst für diejenigen, die einfach nur die ästhetische Erfahrung genießen möchten, ohne Zwang zugänglich.
Isaakskathedrale und Newa
(c) Michael Ritter
Sankt Petersburg - Venedig des Nordens
Wegen des Kriegs in der Ukraine haben die Veranstalter inzwischen Besuche in Russland aus den Programmen gestrichen und bieten stattdessen Alternativen wie die finnische Hauptstadt Helsinki an, doch dürfte in absehbarer Zeit auch Sankt Petersburg wieder eines der Top-Höhepunkte der Ostseekreuzfahrt sein. Peter der Große hatte die Stadt 1703 als "Fenster nach Europa" gegründet und es ist schade, dass durch die Politik Russlands der imperiale Pomp, die prachtvollen Paläste, weitläufigen Plätze, Museen und berühmten Wasserstraßen, die das Stadtbild prägen, nicht mehr zur Disposition stehen, denn die dort versammelte Kunst ist eine gute Ergänzung zur Sammlung der Kunst an Bord.
Sommerhäuser in den Schären Stockholms
(c) Michael Ritter
Stockholm- Skandinavische Eleganz
Zurück an Bord begeben wir uns auf die Seereise nach Schweden. Zeit, um erneut über das Sammlungskonzept an Bord nachzudenken und dessen wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung, denn die umfangreiche Kunstsammlung auf der Mein Schiff 4 ist nicht nur ästhetischer Luxus, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. In der hart umkämpften Kreuzfahrtbranche suchen Reedereien nach Alleinstellungsmerkmalen, die über Routenangebote und Bordservice hinausgehen. Die Positionierung als "Wohlfühlschiff" mit umfassender Kunstintegration spricht eine kulturell interessierte, zahlungskräftige Zielgruppe an. |
Während der Zugang zu bedeutenden Kunstsammlungen oft auf Großstädte und spezielle Kulturinstitutionen beschränkt ist, bringt die Mein Schiff 4 hochwertige zeitgenössische Kunst zu Menschen, die möglicherweise sonst wenig Berührungspunkte damit hätten. Die Kunstwerke sind frei zugänglich, es gibt keine Eintrittspreise oder Öffnungszeiten – Kunst wird zum selbstverständlichen Teil des Alltags an Bord. |
Stockholm
(c) Michael Ritter
Die Zusammenarbeit zwischen ICArt und TUI Cruises
Die erfolgreiche Kunstintegration auf der Mein Schiff 4 ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen ICArt und TUI Cruises. ICArt brachte die kunsthistorische Expertise und die Kontakte zur internationalen Künstlerszene ein, während TUI Cruises das Verständnis für die Bedürfnisse und Erwartungen der deutschsprachigen Gäste beisteuerte.
Diese Partnerschaft hat sich bewährt: ICArt arbeitete auch an der Neugestaltung der „Pioniere“ der Mein Schiff Flotte und an den nachfolgenden Schiffen mit. Für die Mein Schiff 1 und die Mein Schiff 2 platzierte ICArt 2018 und 2019 jeweils über 150 einzigartige Kunstwerke in den öffentlichen Bereich. Dabei arbeitete das Unternehmen mit vielen Künstlern zusammen, wie Mariko Kusumoto und Anna Masters, die fein detaillierte und delikate Arbeiten beitrugen, sowie Clemens Behr und Niels Buschke, die großformatige, ortsspezifische Installationen über mehrere Decks hinweg schufen.
Citytour per Boot in Stockholm
(c) Michael Ritter
Angekommen in Stockholm
Nach der Überquerung der Ostsee ist schon die Fahrt mit dem Schiff durch den Schärengarten, der die schwedische Hauptstadt von der Ostsee trennt, ein Erlebnis und viele Gäste wünschen sich, sie hätten ein ähnlich schönes Ferienhaus an dem baumgeschmückten Ufern. Stockholm selbst verteilt auf 14 Inseln zwischen Ostsee und Mälaren-See. Die Stadt empfängt ihre Besucher mit einer Mischung aus historischem Charme und skandinavischer Moderne. Stockholm ist mit knapp einer Million Einwohnern nicht nur politisches und kulturelles Zentrum Schwedens, sondern auch größte Stadt Skandinaviens und ein Ort, der seine Geschichte mit Stolz präsentiert.
Das ABBA-Museum - Hommage an die Popikonen
Die Anlegestelle Vikingsterminalen liegt unweit des Zentrums und mit den Booten, die Einheimische und Gäste schnell über das Wasser bringen ist man innerhalb von wenigen Minuten beim ABBA-Museum auf der Insel Djurgården. Es ist weit mehr als eine Sammlung von Erinnerungsstücken und einer der Besuchermagnete der Stadt. Die interaktive Erlebniswelt zollt dem internationalen Erfolg der schwedischen Popgruppe Tribut. ABBA – Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid – revolutionierten die Popmusik der 1970er Jahre und machten Schweden zur Supermacht der Unterhaltungsindustrie. |
Besucher können auf virtuellen Bühnen mit den Hologrammen der Bandmitglieder performen, im nachgebauten Studio Aufnahmen machen oder im "Polar Studio", dem legendären Aufnahmestudio der Band, die Entstehung der Hits nachvollziehen. Ein besonderes Highlight ist der Raum mit Goldenen Schallplatten aus aller Welt – ABBA verkauften über 400 Millionen Tonträger. |
Absolut Kunstmuseum
(c) Michael Ritter
Das Absolut Art Museum - Wo Werbung zur Kunst wird
Dur ein paar Meter weiter ist das Absolut Art Museum eine einzigartige Institution, die die Verschmelzung von kommerzieller Werbung und zeitgenössischer Kunst zelebriert. Die Sammlung dokumentiert eine der erfolgreichsten und kreativsten Marketingkampagnen der Geschichte – die Absolut Art Collection. |
Besonders faszinierend ist die Vielfalt der künstlerischen Ansätze. Manche Künstler arbeiteten mit Malerei, andere mit Fotografie, Skulptur oder digitalen Medien. Die Flasche wurde in Eis gegossen, aus Kristallen geformt, in surreale Landschaften integriert oder vollständig abstrahiert. Jedes Werk reflektiert die individuelle Handschrift des Künstlers und gleichzeitig die minimalistische Eleganz des schwedischen Designs. |
Im Vasa-Museum Stockholm
Das Vasa-Museum - Zeitkapsel aus dem 17. Jahrhund
Ein weiterer Katzensprung bringt uns ins Vasa-Museum, das aus gutem Grund meistbesuchte Museum Skandinaviens. Im Zentrum steht das königliche Kriegsschiff Vasa, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt sank und 333 Jahre später geborgen wurde. |
Nachdem 1956 der Amateurarchäologe Anders Franzén das Wrack wiederentdeckte wurde dessen 191 abgeschlossene Bergung zu einem technischen Meisterwerk, bei dem das Schiff vorsichtig gehoben und in ein speziell errichtetes Dock gebracht wurde. |
Haus an der Schärenküste
(c) Michael Ritter
Weitere Stockholmer Schätze
Einen erstklassigen Überblick über die Kunst Skandinaviens und darüber hinaus bietet neben dem Mein Schiff 4 auch das Moderna Museet auf der gegenüberliegenden kleinen Insel. Doch Stockholm bietet noch zahlreiche weitere Attraktionen. Die Altstadt Gamla Stan mit ihren ockerfarbenen Häusern und engen Gassen versprüht mittelalterlichen Charme. Das Königliche Schloss, das Rathaus mit dem berühmten Blauen Saal, wo das Nobelpreis-Bankett stattfindet, und das moderne Stadtviertel Hammarby Sjöstad zeigen die verschiedenen Facetten der Stadt. Über die Geschichte der Nobelpreise informiert ein eigenes Museum neben dem königlichen Schloss, einem Ziel für Royalisten.
Die schwedische Designtradition ist allgegenwärtig – von den minimalistischen Möbeln bis zur funktionalen Mode. Die Verbindung von Ästhetik und Praktikabilität, die charakteristisch für skandinavisches Design ist, prägt das gesamte Stadtbild.
Die letzte Etappe der Kreuzfahrt dauert etwas länger und führt zurück durch die offene Ostsee nach Kiel. Die Tage auf See geben Gelegenheit, die Eindrücke der Reise zu verarbeiten.
Erdmännchen beobachten die Badenden
(c) Michael Ritter
Kunst auf den weiteren Schiffen der Flotte
Das Kunstkonzept der Mein Schiff 4 setzte Maßstäbe für die gesamte Flotte. Auf der 2016 in Dienst gestellten Mein Schiff 5 und der ein Jahr später dazugekommenen Mein Schiff 6 hat man erstmals die international renommierte Editionsgalerie LUMAS als Partner mit an Bord geholt. LUMAS entwickelte ein eigens für die Wohlfühlschiffe zugeschnittenes künstlerisches Gesamtkonzept. |
Ein besonderes Highlight auf der Mein Schiff 6 ist die Hommage an Udo Lindenberg. Der Künstler Zac Freeman setzte dem Panikrocker ein ungewöhnliches Denkmal: Aus verschiedenen Materialien wie original Lindenberg-Socken, einer Krawatte, einer Sonnenbrille und den obligatorischen Zigarren entstand ein Portrait, das die Gäste am Eingang zum Studio auf Deck 4 begrüßt. |
Holzfiguren von Jonas Kötz
(c) Michael Ritter
Die Zukunft der Kunst auf See
Die Mein Schiff 4 und ihre Schwesterschiffe haben Maßstäbe gesetzt, die auch für zukünftige Schiffe der Flotte und der gesamten Kreuzfahrtbranche Bedeutung haben. ICArt arbeitet kontinuierlich an neuen Konzepten für maritime Kunstintegration und beobachtet Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunstszene, um diese auf See zu übersetzen. |
Zukünftige Projekte könnten verstärkt mit Künstlern zusammenarbeiten, die sich in ihrer Arbeit mit Umweltthemen, Meeresschutz und nachhaltigem Tourismus auseinandersetzen. Solche Werke können nicht nur ästhetisch bereichernd sein, sondern auch Bewusstsein für ökologische Fragen schaffen – ein Anliegen, das TUI Cruises mit seiner Umweltstrategie bereits verfolgt. |
Markanter Kristallleuchter im Atlantic Restaurant
(c) Michael Ritter
Mehr als eine angenehme Schiffsreise
Die singende Tradition der baltischen Völker, die in Zeiten der Unterdrückung Hoffnung bewahrte und letztlich zur Freiheit führte, zeugt von der Kraft der Kultur. Die architektonischen Meisterwerke, von mittelalterlichen Hansestädten bis zu avantgardistischen Jugendstilbauten, erzählen von Epochen des Wohlstands und der Kreativität. Die Museen bewahren Schätze und Geschichten, die uns mit der Vergangenheit verbinden.
Eine Ostseekreuzfahrt ist mehr als eine angenehme Seereise. Sie ist eine Begegnung mit europäischer Geschichte in all ihren Facetten – glorreich und tragisch, künstlerisch und alltäglich, großartig und demütigend. Sie führt zu Orten, an denen sich Schicksale entschieden, Kulturen blühten und Menschen trotz aller Widrigkeiten Schönheit schufen und bewahrten.
Wenn die Mein Schiff 4 wieder in Kiel einläuft, blickt man nach rund 10 Tagen zurück auf eine Reise, die fast für alle Teilnehmer den Horizont erweitert hat – geografisch, kulturell und menschlich, denn die Ostsee verbindet nicht nur Häfen, sondern auch Geschichten, Traditionen und Menschen. Diese Erkenntnis ist vielleicht der kostbarste Schatz, den man von dieser Reise mit nach Hause nimmt.
© Michael Ritter
Kaviarauswahl in der XLounge
(c) Michael Ritter
Helsinki - Die charmante weiße Stadt
Von Tallin ist es mit 80 Kilometern nur ein KatzenspriungHelsinki, die charmante Hauptstadt Finnlands, ist ein beliebter Anlaufhafen für Ostsee-Kreuzfahrten. Die kompakte Innenstadt lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden, und viele Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Gehminuten vom Hafen entfernt. |
Während der Zugang zu bedeutenden Kunstsammlungen oft auf Großstädte und spezielle Kulturinstitutionen beschränkt ist, bringt die Mein Schiff 4 hochwertige zeitgenössische Kunst zu Menschen, die möglicherweise sonst wenig Berührungspunkte damit hätten. Die Kunstwerke sind frei zugänglich, es gibt keine Eintrittspreise oder Öffnungszeiten – Kunst wird zum selbstverständlichen Teil des Alltags an Bord. |
(c) Connaisseur & Gourmet 2026









