Die Reggia di Caserta
Europas letzter großer Barockpalast
Nur etwa vierzig Kilometer nördlich von Neapel liegt die alten Königsstadt Caserta, die bei der Einfahrt in die Stadt eher wie eine unbedeutende Provinzstadt wirkt. Doch dann erhebt sich dort, gleichsam wie aus dem Nichts in die Ebene gesetzt, die Reggia di Caserta: eines der größten königlichen Schösser Europas. Seit 1997 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Die Reggia di Caserta
Bau und Geschichte
Der Anstoß zum Bau kam von König Karl VII. von Neapel. Der in 1716 in Madrid als Sohn Philipps V von Spanien geborene Bourbone der als Karl I. zuvor Herzog von Parma und Piacenza, gleichzeitig mit Neapel auch König von Sizilien war vom 3. Juli 1735 bis zum 10. August 1759 als Karl V. König von Sizilien war, bevor er als Karl III. auch den spanischen Thron bestieg. Er war fest entschlossen war, einen Palast zu errichten, der es mit Versailles aufnehmen, ja, ihn womöglich noch übertreffen konnte. Mit dem Entwurf betraute er Luigi Vanvitelli, einen der bedeutendsten Architekten seiner Zeit, der bis dahin für den Papst in Loreto tätig war und nur durch direkte Verhandlung zwischen dem König und dem Heiligen Stuhl für Caserta gewonnen werden konnte. Durch seine Mutter aus dem Haus Farnese kam er in den Besitz der bedeutenden Farnesischen Sammlungen mit Meisterwerken aus der Antike bis zur Renaissance. |
In den Jahren darauf schuf Vanvitelli einen rechteckigen Bau mit vier großen Innenhöfen, fünf Stockwerken, 1.217 Zimmern, 34 Treppenhäusern und einer imposanten Fassade mit 143 Fenstern. Höhepunkte eines jeden Besuchs ist die monumentale Haupttreppe und das Atrium mit seinen Marmorsäulen, sowie die Palatinische Kapelle und das Hoftheater, das sich – in kleinerer Form - an seinem Teatro di San Carlo in Neapel orientiert, dem ältesten aktiven Opernhaus der Welt. Nach Vanvitellis Tod 21 Jahre später führte sein Sohn Carlo die Arbeiten fort. Im Wesentlichen bewohnbar war der Palast bereits ab 1780, doch seine formelle Fertigstellung erfolgte erst Jahrzehnte nach denm Tod des Auftraggebers im Jahr 1845. |
Der Park
Der Park - Wasserarchitektur von epischem Ausmaß
Eigentlich kann man heute den Schlosspark der Reggia als dessen eigentliches Herzstück ansehen. Vom Palast aus führt eine streng symmetrische Sichtachse von drei Kilometern Länge geradewegs nordwärts, dem Berghang entgegen. Entlang dieser Achse reihen sich Wasserbecken, Brunnen und Kaskaden aneinander, die den Blick in einen scheinbar unendlichen Fluchtpunkt entlassen. Die Wassermassen für dieses großartige Spiel wurden über den Karolinischen Aquädukt herbeigeführt, eine 42 Kilometer lange Wasserleitung, die Vanvitelli eigens dafür konstruierte und die heute ebenfalls zum UNESCO-Welterbe gehört. |
Der Venusbrunnen zeigt die Göttin beim Versuch, Adonis von der Jagd abzuhalten. Den triumphalen Abschluss bildet aber die Fontana di Diana e Atteone: Der Jäger Aktaion, der die badende Diana überrascht hat wird von ihr in einen Hirsch verwandelt und dann von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt – ein Mythos, geformt von Paolo Persico, Pietro Solari und Angelo Brunelli in ewiges Weiß. |
Anselm Kiefer in der Reggia di Caserta
(c) Michael Ritter
Terrae Motus - Wenn Katastrophe zur Kunst wird
Was die Reggia di Caserta von anderen Barockpalästen Europas unterscheidet, ist nicht nur ihre schiere Größe oder die Schönheit ihrer Wasserspiele, sondern die beeindruckende Sammlung zeitgenössischer Kunst, die in den königlichen Gemächern zwischen goldenen Stuckaturen und seidenbespannten Wänden hängt – und die eine Geschichte von Zerstörung, Trauer und menschlicher Schöpfungskraft erzählt. |
Eine Seite zeigt eingestürzten Häuser, die andere in Decken gehüllte frierende Kinder. Ein stummer Schrei, der in seiner reduzierten Schlichtheit bis heute nicht verstummt ist. |
Sardiniens Küsten und Berge - blaues Meer und Kalk
(c) Connaisseur & Gourmet 2026


