Weine der Campania Feuer, Geschichte, Leidenschaft
Die älteste Weinregion Italiens neu entdeckt
Caserta, 05.05.2026 Kampanien ist mehr als Neapel, Pizza und Mozzarella. Wer sich die Zeit nimmt, tiefer in diese Region einzutauchen, stößt auf eine Weinlandschaft von überwältigender Vielfalt und historischer Tiefe – eine Welt, in der Vulkanasche zu Rebgold wird, in der antike Griechen und Römer die Wege vorgezeichnet haben, die heute mutige Winzerinnen und Winzer mit Leidenschaft weitergehen. Von den glühenden Hängen des Vesuvs über die Terrassen der Küste Amalfis bis zu den sanften Hügeln Salernos reicht ein Weinland, das in den letzten Jahrzehnten eine stille, aber beeindruckende Renaissance erlebt.
Wir haben uns diesmal auf eine kurze Reise in die Region rund um Neapel begeben, um einige der Weinbauregionen zu besuchen und ihre Weine zu verkosten, Gerne hätten wir dabei einen Ausflug zu den Inseln Ischia mit ihren Weingütern, die Zitroneninsel Procida und Capri mit seiner Blauen Grotte und den spannenden Kriminalgeschichte Luca Venturas unternommen, doch dazu fehlte diesmal leider ebenso die Zeit wie für einen Besuch der Irpinia bei Avellino mit ihrem Taurasi, des Benevento und des alten Vulkans Monte Vulture bei Potenza mit seinem ausgezeichneten Aglianico und Greco. Diese sehr interessanten Weinbauregionen haben wir uns für unseren nächsten Besuch der Region vorgenommen.
Greco di Tufo
Die großen Rebsorten Kampaniens
Bevor wir die einzelnen Weingüter besuchen, sollten wir uns unbedingt mit den Rebsorten beschäftigen, die dem kampanischen Wein sein unverwechselbares Gesicht verleihen. |
Besonders der Falanghina der Campi Flegrei unterscheidet sich allerdings genetisch deutlich von den anderen Regionen. |
Weinberg der Campi Flegrei mit Ischia
(c) Michael TRitter
Besuch bei den Winzern
Wir haben uns auf den Weg nach Süditalien begeben um uns bei den Campania Stories in Caserta einen Eindruck von den aktuellen Weinen, der landschaft und den Winzern zu verschaffen. Das Event gilt als eines der wichtigsten Schaufenster für die Weine Süditaliens und als Plattform, um die neuesten Jahrgänge der Region Fachleuten und der Presse vorzustellen. "Der Sinn ist die Begegnung" lautet das diesjährige Motto und so macht es Sinn, neben einer Verkostung der verschiedenen Weine auch die Winzer und ihre Weingüter zu besuchen, denn für Kampanien ist dies ein entscheidender Moment, um die Entwicklung der regionalen Weine zu präsentieren und die Region als Ziel für Genuss, Kultur und erstklassiges Handwerk weltweit erlebbar zu machen.
Die Campi Flegrei: Wein auf dem schlafenden Vulkan
Als wir mit dem Flieger aus Frankfurt in Neapel landen, fliegt dieser über die vorgelagerte Insel Ischia an und am dichtbebauten Uferstreifen nordwestlich von Neapel, erreichen wir die direkt am Meer gelegenen Campi Flegrei, zu denen wir kurze Zeit später mit dem Auto zurückkehren. Sie sind eine der ungewöhnlichsten Weinregionen der Welt. Campi Flegrei bedeutet übersetzt „Brennende Felder", denn es handelt sich dabei um eine riesige Caldera im Zustand der Quieszenz, also der überdauernden Ruhe. Das ganze Gebiet ist durchzogen von Fumarolen und vulkanischer Energie. Das Erdreich raucht und atmet, riecht stark nach Schwefel und bringt bereits seit mehr als 2.700 Jahren Reben hervor. Zuerst kultivierten die griechischen Kolonisten von Cumae dieses Land – und ihr Erbe ist bis heute spürbar. |
Er war der perfekte Begleiter für die traditionelle Büffelmozzarella, die Gilda dazu auftischte. |
Der Vesuv und die Tränen Christi
„Lacryma Christi" , die Tränen Christi. Der Name erzählt eine Geschichte. Der Legende nach stahl Luzifer bei seinem Sturz aus dem Paradies ein Stück Land, das schönste, das er kannte – die Gegend um den Vesuv. Als Christus die Schönheit dieses gestohlenen Landes sah, weinte er, und wo seine Tränen fielen, wuchsen Reben von außergewöhnlicher Güte. So entstand der berühmteste Wein des Vesuvs, der heute als DOC-Appellation geschützt ist und in drei Varianten – Weiß, Rot und Rosé – erzeugt werden darf. |
Giuserre Sorrentino, der das Weinhut von seinem Vater Paolo und Mutter Angela mit seinen Schwestern Benny und Maria Paola in dritter Generation übernommen hat, hat insgesamt 200 Hektar am Abhang des Vesuvs, von denen 35 Weinberge beherbergen, die auf 350 bis 600 Metern Höhe liegen. Paolo nimmt uns in einem alten Land Rover mit auf eine Fahrt zu den teilweise winzigen Parzellen, die Platz gefunden haben zwischen den Granit, dass der Vesuv bei seinen Ausbrüchen ausgespuckt hat. Es sind in der Spitze die höchsten Lagen, in denen am Vesuv Weinbau möglich ist. Die Sorrentinos bewirtschaften das Gut seit dem 19. Jahrhundert und haben es im Laufe der Jahrzehnte konsequent ausgebaut und bieten auch für Besuchern ein attraktives Angebot, denn neben einer breiten Palette authentischer Vesuv Weine aus Piedirosso, Aglianico, Caprettone, Coda di Volpe und Catalanesca bietet Paolos Familie das, was viele Weinreisende suchen: einen echten Aufenthalt inmitten der Weinberge. |
Costa Amalfitana
(c) Michael Ritter
Die Amalfiküste: Winzer zwischen Meer und Felsen
Vom Vesuv ist es eine relativ kurze Fahrt zur Amalfiküste, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten – nicht nur weil sie ebenfalls UNESCO Welterbe ist. Es ist eine der spektakulärsten Landschaften Europas – und eine ihrer herausforderndsten Weinregionen. Auf terrassierten, oft senkrecht über dem Meer hängenden Weinbergen, teilweise in bis zu 550 Metern Höhe, bewirtschaften Generationen von Kleinwinzern winzige Parzellen, auf denen Rebsorten wachsen, die es anderswo auf der Welt nicht gibt. Dieser Weinbau gilt als „eroico" – heroisch – nicht als Metapher, sondern als nüchterne Beschreibung des körperlichen Einsatzes, den diese Arbeit erfordert: keine Maschine kommt hier hin, jede Ernte muss per Hand erfolgen. |
Dies hier zu erörtern würde zu weit führen. Lassen Sie sich einfach begeistern von den teils spannenden Weinen, die sie an der Amalfitana mit sich immer wechselnden wundervollen Aussichten beim Abendessen auf einer der Terrassen zum Meer genießen können. Bei den Rotweinen dominieren hier Piedirosso, Sciascinoso und der seltene Tintore. Viele Reben wachsen ohne Pfropfung piede franco, , direkt auf dem kalkigen Dolomit, der von Asche und Bimsstein der Vesuvausbrüche durchdrungen ist. |
Salerno: Viticoltori Lenza und Monteveterano
Zwischen Amalfiküste und dem zauberhaften UNESCO-Welterbe Cilento an der Grenze vom Magna Graeca zu den alten Italikern liegt die Provinz Salerno, ein Weingebiet, das gerade erst beginnt, seinen eigenen Ruf zu entwickeln. Im frühen Mittelalter war Salerno durch den Zuzug vieler adeliger Langobarden zur Hauptstadt Süditaliens. |
So kann das dabei entstehende Kohlendioxid nicht entweichen es entsteht ein prickelnder Schaumwein. |
Der Falerno: Der unsterbliche Wein der Römer
Kein anderer Wein ist in der antiken Literatur so häufig besungen worden wie der Falerner. Virgil, Horaz, Martial, Plinius – sie alle priesen den „unsterblichen Falerner" als den besten Wein des Imperiums, serviert auf den Tafeln der Kaiser, verdünnt mit Wasser und Gewürzen, in Tonamphoren konserviert. Das Anbaugebiet dieses „Weins der Cäsaren“, der Ager Falernus, liegt im nördlichen Kampanien, im Dreieck zwischen dem Vulkan Roccamonfina, dem Monte Massico und dem Meer. In dieser Landschaft, in der sandige Böden mit vulkanischen Schichten wechselt wird das sonnige Mittelmeerklima von kühlen Winden aus den auch im späten April noch schneebedeckten Apennin gemäßigt. |
Während sein Weingut sehr nahe an der Küste liegt, liegen die besten Lagen des Ager Falernus, in denen er seine Weinberge hat, einige Kilometer landeinwärts. |
Reggia di Caserta
(c) Michael Ritter
Kampanien - eine Region, die man schmecken muss
Für viele Deutsche ist Kampanien kein leichtes Weinland, denn es verlangt Neugier, Geduld und die Bereitschaft, sich auf neue Rebsorten einzulassen, die man anderswo nicht findet. Wer diese Bereitschaft mitbringt, wird belohnt von Weinen, die nicht nur nach Frucht und Holz schmecken, sondern aus denen man Erde, Meer, Feuer und Geschichte herausschmecken kann. Schon am ersten Abend beim Sonnenuntergang in den Campi Fleghrei mit einem Glas von Salvatores Settevulcani Falanghina in der Hand und dem Blick von den Hügeln der Campi Flegrei auf Ischia und denselben Golf, auf den schon vor mehr als 2.000 Jahren Griechen und Römer blickten, hatten wir das vermutet. Einen Abend später vertiefte sich der Eindruck bei einem Lacryma Christi am Fuß des Vesuvs mit Blick auf die Halbinsel von Sorrent und Capri und dem angeregten Plausch mit Silvia Imparata auf ihrer Terrasse am Hügel oberhalb von Salerno bei einem Glas ihres großen Montevetrano, der beweist, dass großer Wein keine Herkunftsgarantie braucht – nur Leidenschaft, Terroir und Können. Kampaniens Weinzukunft leuchtet hell und hat gerade erst begonnen. Freuen Sie isch mit uns auf einen weiteren Besuch in den anderen spannenden Weinbauregionen der Campania, auf das wir Sie gerne mitnehmen würden.
(c) Michael Ritter
(c) Connaisseur & Gourmet 2026



